17. September 2013

Die Stimme nach Facebook:

Nach meinem letzten Facebook-Kontakt in der Nacht habe ich mich heute mit Stefan das erste Mal am Telephon ausgetauscht. Ich bin sehr traurig, das Gespräch hat mich tief berührt.
Einen 11-Jährigen zu fragen, ob ihm bewusst ist, dass die Entscheidung seiner Mutter nicht mehr rückgängig zu machen ist, war einfach hart.  Mein Gott, wenn es Dich gibt, warum tust Du so was? Wo ist der Sinn ? Wo ist die Logik? Stefan hat am Telefon geweint, geschluchst.
Jetzt kann ich mir vorstellen, wie es wäre, ihn beim Tod seiner Mutter dabei zu haben, wenn er weiß, das dies der letzte Moment in seinem Leben ist,  in dem er seine Mutter noch einmal sieht.
Unvorstellbar ist dieser Schmerz, unvorstellbar auch für mich als 39-Jährigen.
Wie soll ein Kind von 11 Jahren das verkraften? Ich weiß ja selbst noch nicht, ob ich es verkraften werde.

Ich muss nachdenken. Heute habe ich das erste Mal mit meiner Tochter über das Projekt Sterben gesprochen. Ich hab ihr von Stefan erzählt und sie war geschockt, aber trotz allem empfand ich Ihre Reaktion als überraschend nüchtern. Sie sagte, wenn er es möchte, sei es einfach sein Wunsch. Würde er es nicht aus ganzem Herzen wünschen, hätte er nicht nach der Möglichkeit gefragt.

Das einfache Denken einer 13–Jährigen. Sollte ich vielleicht das gesamte Projekt aus dieser Perspektive sehen? Aus der Sicht eines Kindes ?  Ich fragte meine eigene Tochter, wie sie selbst entscheiden würde, wenn ich selbst derjenige wäre, der sterben möchte. Sie fing zu weinen an, kam auf meinen Schoß und sagte: Darüber will ich nicht nachdenken Papa, es steht ja nicht an, also denke ich nicht darüber nach.

Also doch ein Tabu, einfach wegschieben,  einfach zur Seite legen. Der Tod ist nicht aktuell, also beschäftigt man sich nicht damit. Aber es ist doch viel sinnvoller, sich mit einem Thema zu beschäftigen, wenn es zu 100 % irgendwann auf einen zu kommt. Oder ?

Ich muss nachdenken, in meinem Projekt Tod fehlt mir ein roter Faden.
Ich brauche ein Konzept. Ein Konzept, das ich dann durchziehe und basta. Ich darf nicht in Mitleid verfallen und ich bin nicht verantwortlich für das Schicksal. Ich werde in Kürze  wieder mit Stefan sprechen und ein persönliches Treffen vereinbaren.

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Martin Bühler

Martin Bühler

Mein Lebensmotto war und ist: Das Leben schreibt die interessantesten Storys.

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