Europa auf dem Weg zum Nationalismus

Europa auf dem Weg zum Nationalismus

Europa auf dem Weg zum Nationalismus

Selten zuvor hatte ich ein so komisches Gefühl vor Landtagswahlen wie an diesem Wochenende.
Als das letzte Mal die rechten Rattenfänger an die Macht kamen, brachte das der Welt 70 Millionen Tote.

Natürlich, davon bin ich überzeugt, verkraftet unsere Demokratie rechte wie linke extreme Parteien. Doch die Signalwirkung, wenn die AfD gestärkt aus den Kommunalwahlen hervorgeht, wäre dramatisch. Ich werde nicht aufgeben, an ein friedliches Europa zu glauben, mein Herz schlägt links seit nun fast 22 Jahren, auch wenn ich noch nie einer Partei angehört habe.

Das Problem, das ich bei dieser Wahl habe, vielleicht geht es euch auch so, ist die Alternativlosigkeit in der Parteienlandschaft.

Die Grünen wähle ich seit Jahren nicht mehr, sie haben an der Macht geschnuppert und sind dem Kapitalismus verfallen. Führungskräfte sehe ich keine, die Joschka-Fischer-Ära ist endgültig zu Ende.

Die SPD unter dem Vorsitz von Gabriel zu wählen, wäre indiskutabel. Unter Gabriel sind die höchsten Waffenexporte genehmigt worden in den letzten 6 Jahren. Ich schäme mich zutiefst, viele Jahre dieser Partei meine Stimme gegeben zu haben. Zugegeben, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich mir eines Tages Gerhard Schröder zurück an die Macht wünschen würde.

Noch nie habe ich meine Stimme der CDU/CSU zukommen lassen. Zugegeben, unsere Bundeskanzlerin beneide ich nicht um ihren Job.
Auch ihre Asylpolitik finde ich besser als das, was die anderen Parteien zu bieten haben.

Alle anderen Parteien kommen für mich nicht in Frage. Ich gehöre auch nicht zu denen, die der Meinung sind, dass alle AfD- und NPD-Sympathisanten Nazis sind.
Zum großen Teil sind es Bürger, die von unseren demokratischen Parteien nicht abgeholt und mitgenommen worden sind. Es sind Mitläufer. Aber vergessen wir nicht: Bei Hitlers Machtübernahme waren es auch die Mitläufer, die mit den Zuständen der Weimarer Republik unzufrieden waren.

Eine verrückte Welt, in der wir leben. Vor Jahren kritisierte ich den Papst Joseph Ratzinger für seine konservative Haltung. Heute spreche ich Papst Franziskus meinen höchsten Respekt aus. Ob er es schafft, das System der mafiosen katholischen Verkrustungen im Vatikan aufzubrechen, ist noch fraglich, zumindest ist er ein Papst der Minderheiten und ein Papst, der kritisch dem entfesselten Kapitalismus gegenübersteht. Dafür verneige ich mich voller Respekt.

Ein Präsident namens Obama war einer meiner persönlichen politischen Hoffnungsträger. Doch hier wurde ich enttäuscht. Zwar ist die Fratze weit sympathischer als aus den Bush- und Clinton-Dynastien, aber er war ebenso ein Kriegstreiber wie seine Vorgänger. Er bekam den Friedensnobelpreis zum Anfang seiner Amtszeit, eigentlich müsste er diesen Preis schleunigst zurückgeben.

Was wir an Flüchtlingen ernten, haben wir mit unseren Waffenexporten und unseren Kriegen auf der Welt gesät.

So ist die Welt im Wandel. Vor einigen Jahren waren wir westlichen Staaten entrüstet, dass in afrikanischen Staaten Menschen verstümmelt und abgeschlachtet wurden. Heute geschieht das vor unserer Haustür, besser gesagt an den europäischen Küsten. Es ist Alltag in Europa.

Mit Terroristen wie Erdogan wird heute verhandelt, wer welche Flüchtlinge zurücknimmt. Dafür kauft sich Erdogan in die EU ein. Ein Tyrann, der weder Menschenrechte noch Minderheiten achtet, sollte in unserem Land Einreiseverbot bekommen anstatt den roten Teppich.

Und dann sind da noch die osteuropäischen Staaten wie Polen und Ungarn, die einen deutlichen Rechtsruck erlebt haben. Länder, die sich mit Händen und Füßen gegen das Aufnehmen von Flüchtlingen wehren. Diese Länder gehören nicht zu unserem Europa. Der größte Grundsatz unseres Europas ist Solidarität. In unserem Grundgesetz steht nicht „Die Würde des Deutschen ist unantastbar“, sondern es heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Diese osteuropäischen Staaten wurden von der EU mit Milliarden-Unterstützungen aufgebaut und modernisiert.
Es versteht sich von ganz alleine, dass Länder, die keine Bereitschaft zeigen, Flüchtlinge aufzunehmen, Ausgleichszahlungen an die EU leisten müssen.
Und wisst ihr, was das Schlimmste ist? Ich könnte – selbst wenn ich etwas zu sagen hätte in der politischen Landschaft – gar keine Vorschläge machen, was verändert werden sollte. Was ich aber sehr genau weiß, ist eines: Ich möchte nicht, dass meine Kinder wieder an der Waffe stehen wie mein Vater. Ich möchte, dass meine Generation und alle nachfolgenden Generationen kriegsfrei bleiben. Ich möchte keinen entfesselten Kapitalismus, der skrupellos über Leichen geht.

Ich möchte ein friedliches Europa, in dem Solidarität und Menschenrechte die oberste Priorität haben. Ein Europa, das bunt ist und multikulturell glänzt. Ein Europa, in dem wir grenzenlos leben und arbeiten können.

Es ist Zeit für Veränderungen, es ist Zeit, Brandstifter wie Frau Steinbach in die Wüste zu schicken, gehirnamputierte Nazis und Neonazis wie Storch, Höcke und Petri des Landes zu verweisen. Wer nationalsozialistische Parolen verbreitet, Gebrauch von der Waffe an unseren Außengrenzen für nötig hält, hat in unserem Land nichts zu suchen. Eigentlich bedauerlich, dass die RAF nicht mehr existent ist, wären die Brandstifter unseres Landes für sie doch geradezu prädestiniert als Opfer.

Weder die Brandstifter noch die Kriegstreiber sind das Volk, wir sind das Volk.
Ich bin stolz, Europäer zu sein, zerstört nicht meinen Stolz auf ein friedliches Europa.

Warum nicht einfach Selbstjustiz?

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7 .Februar 2016
Wunsch nach wiederbelebtem Liberalismus nur Utopie?

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27. März 2016
Martin Bühler

Martin Bühler

Mein Lebensmotto war und ist: Das Leben schreibt die interessantesten Storys.

Ein Kommentar zu “Europa auf dem Weg zum Nationalismus

  1. Hallo Martin,

    jedes Deiner Worte geht mir “runter wie Öl”! Sie hallen in mir wieder und nähren meine Hoffnung, dass die Solidarität der Europäer nicht an der eigenen Haustür endet. Eine Handvoll politischer Querdenker hat Deutschland und sicher auch Europa stets ausgehalten, aufgefangen und ist damit gut gefahren. Ich plädiere für eine Rückbesinnung auf Deutschlands größte Tugend: die Kraft zu vereinen … Und dann haben ALLE was davon, auch jene, die mit Zäunen und Scheuklappen papageienhaft Parolen nachplärren, die schon vor acht Jahrzehnten im Jubel untergegangen sind. Damals waren sie kaum zu verstehen, in all der Euphorie des Aufbruchs. Heute bieten sich den Menschen Filter, die das Unhörbare hörbar machen. Auch für jene, die solch Reden nicht mehr hören wollen. Es sollte uns Mahnung sein – und daraus kann Einigkeit im Kleinen wie im Großen wachsen. Und ja, nicht nur Obama auch die EU sollte den Friedensnobelpreis wieder abgeben. Sie können ihn sich ja erarbeiten ….

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