Insel der Gier

Hand-vor-dem-Mund
Ich werde immer wieder gefragt, warum ich nicht einmal einen Blog Artikel über Sylt schreibe.
Heute hole ich das nach, aber es wird enttäuschend für alle sein, die Sylt als das Eldorado für Ihre Urlaubspläne sehen. Sylt hat zwei völlig unterschiedliche Gesichter, die in einem unglaublich starken Kontrast zueinander stehen.

Sylt ist  eine landschaftlich wunderschöne Insel. Ich genieße hier wunderbare Momente in einer scheinbar unberührten, ganz einzigartigen Natur.

Was mich immer wieder an Sylt stört, ist dieser unglaubliche kommerzielle Wahnsinn. Jeder Quadratzentimeter ist vermarktet, so weit es nur geht. Die wenigen Einheimischen, die noch auf der Insel leben flüchten oft auf das nordfriesische Festland oder verbringen ihre freie Zeit im Ausland.
Natürlich leben viele Menschen vom Torismus, das ist völlig verständlich. Sylt wäre ohne den Tourismus nicht so erschlossen, aber auch nicht das Synonym für die Insel der Reichen.
Ich habe noch keinen anderen  Ort erlebt, wo der Kommerz, die Gier nach Geld so unglaublich ausgeprägt war. Skrupellos wird vermarktet, was nur irgendwie geht.
Wenn ein Geschäftsmann ein Produkt im Angebot hat, das keinen Absatz findet, wird es kurzum mit dem Logo der Insel Sylt versehen. Sylt ist eine Lizenz zum Geld drucken.
Im Lebensmittelsektor, und hier besonders im gastronomischen Zweig wird aus Abfall Geld gewonnen. Das Ganze zu einem Preis-Leistungs-Verhältnis, das unter jedem Niveau  liegt.
Ich frage mich allen Ernstes, wo hier Gesundheitsamt,vGewerbeaufsicht und Co sind.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass die wunderschöne Insel Sylt zum rechtsfreien Raum erklärt worden ist. Der Kommerz ist außer Rand und Band, Umsatz um jeden Preis, rücksichtslos, skrupellos und ohne jede ethische Verantwortung.
Was auf dem Festland in gastronomischen Lokalitäten in den Abfall wandern würde, wird in Sylt mit etwas Dekoration aufgepeppt und hochpreisig vermarktet.
Sei es ein stinknormaler Eisbergsalat, der mit Fertig-Dressing aus der Tüte besprüht und mit zwei Riesengarnelen aus Bangladesch bestückt für 22,90 Euro über den Tisch geht, oder die Pizza beim Italiener nebenan, der diese aus Tiefkühl-Fertigteig herstellt, für 19,40 Euro. 

In Sachen Arbeitsrecht würde jeder Fachanwalt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Auf Sylt werden immer billige Arbeitskräfte gesucht, Saison für Saison. Hier wird Personal auf Teufel komm raus verheizt. Es werden günstige Arbeitskräfte aus Mazedonien „importiert“. Arbeitsverträge werden mit 214 Stunden geschlossen, tatsächlich arbeiten die Angestellten gerade im gastronomischen Betrieben 14 Stunden und mehr.
Die Entlohnung liegt bei 1500 Euro Brutto. Rechnet man alleine das gegen (1500 Euro durch 214 Stunden) gibt es einen Stundenlohn von sage und schreibe 7,- Euro brutto.
Davon bleiben den meisten Arbeitskräften, da Steuerklasse 1, vier Euro die Stunde. Natürlich werden davon noch Unterkunft im Personal-Zimmer und Verpflegung abgezogen.
Der Einstiegslohn bei Mc Donalds beträgt dagegen schon 7,79 Euro. Und selbstverständlich, das versteht sich von selbst, gibt es dort eine 6 oder 7 Tage Woche.
Auf Sylt treffen Sie meist auf Angestellte, die irgendwann im Leben durch die unterschiedlichsten Hintergründe gescheitert sind. Sei es durch Scheidung, gescheiterte berufliche Existenz oder durch strafrechtlich relevante Verurteilungen.

Da noch nicht Mitglied der Europäischen Union ist Mazedonien geradezu ideal geeignet für diese Ausbeutepolitik. Die Mitarbeiter haben weder die finanziellen Möglichkeiten, gegen ihre Sylter Arbeitgeber vorzugehen, noch das Wissen, was erlaubt ist und was nicht.
Mit cleveren Saison-Verträgen werden sie ins Land gelockt, ausgebrannt kehren sie in ihre Heimat zurück. Um dann noch die Möglichkeiten auszunutzen, dass sie im kommenden Jahr wiederkommen, wird es ihnen schmackhaft gemacht, die Meldeadresse auch während der Zeit ohne Anstellung zu nutzen. Sie können dann ALG 1 und ALG 2 nutzen. Brav senden die Arbeitgeber dann die Post ins Heimatland weiter, somit ist alles wunderbar geregelt.
Hier zahlt dann die Öffentliche Hand und unterstützt somit die moderne Sylter Sklaverei.

Gleich vorweg, die wirklich Reichen unserer Nation, die sich auf Sylt aufhalten, benehmen sich ganz zurückhaltend und légère. Das Problem sind die Möchtegern-Reichen, die Snobs, die meinen, sich aufspielen zu müssen. Sie beschweren sich bei den Mitarbeitern, das sie nicht bevorzugt bedient worden sind. Oft gibt es sogar schriftliche Beschwerden bei den Firmeninhabern, denn auf Sylt kennt sich die Sippschaft immer bestens untereinander.Das macht den ausländischen Mitarbeitern das Leben weiter zur Hölle, oft verstehen sie nur Bruchteile, da ihre Sprachkenntnisse nicht zu mehr ausreichen.

Ich selbst habe einen der namhaftesten Moderatoren der Öffentlich-Rechtlichen getroffen, der einen Mitarbeiter zur Sau gemacht hatte, da er angeblich nicht schnell genug und nicht mit entsprechenden Respekt bedient worden war. Wenige Tage später sah ich den Moderator in einer TV-Ausstrahlung mit dem wunderbaren Thema „Zivilcourage“.

Ich erlebte einen Schauspieler, der das Trinkgeld in seiner nicht ganz ausgetrunkenen Tasse Kaffee versenkte und von der mazedonischen Bedienung  verlangte, dass sie es da heraus fischte. Er geilte sich förmlich auf an der Situation.

Ich könnte die Liste der Beispiele beliebig lange weiterführen. Aber alleine beim Schreiben dieses Artikel merke ich, wie mich genau diese beschriebene Gesellschaft anekelt.
Zu später Stunde, wenn das weiße Pulver sich gut in der Nase verteilt hat, zeigt dieses Publikum sein wahres Gesicht. Sie lästern über jede Form von Minderheiten, reden darüber, wie sie mit ihrem Geschäften Geld verdienen und wieviel Papa ihnen im Monat abdrückt.
Sie haben selbst noch nie etwas im Leben geleistet, führen sich aber schlimmer auf, als man sich das ausmalen kann.
Sie trinken zur Bewusstseinstärkung (egal ob durch Alkohol  oder Kokain) ihren Schampus aus den Aschenbechern, Kotzen in die Ecken, grapschen jeden ansehbaren Arsch der Bedienungen an und finden sich so unübertroffen toll.

Geldflug

Geld, Dir gehört die Welt!
Und genau dies ist eben das andere Gesicht der Insel Sylt. Die Kehrseite der Medaille wird gerne übersehen.Vielleicht sollte jeder prominente Sylturlauber mal darüber nachdenken, ob er sich richtig benimmt, wenn er sein Fischbrötchen holt, seinen Champagner bestellt oder oder oder.

Und jetzt fragst Du Dich lieber Leser, was Du ganz alleine dagegen machen kannst?

Das ist einfach. Frage doch bei Deinem nächsten Sylt Urlaub nach, wenn Du morgens um 7 beim Bäcker bedient wirst und die gleiche Bedienung steht um 19 Uhr immer noch da und bedient Dich. Denk darüber nach, ob es gastronomisch eine Logik gibt, wenn auf Sylter Speisekarten asiatisches Welsfilet angeboten wird? Wenn Du Dir eine Lokalität aussuchst, sieh hin, wie die Essen aus der Küche kommen. Sind diese frisch zubereitet und mit der Portion Respekt vor Lebensmitteln angerichtet? Sehen die Mitarbeiter und Bedienungen aus, als hätten sie wochenlang durchgearbeitet?

Entwickle ein Feingefühl und Du wirst auch auf Sylt einen wunderschönen Urlaub verbringen. Veränderungen entstehen durch Verbraucher, durch nichts anderes.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende

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